Die Initiative für Ernährungssouveränität ist ziemlich viel beliebt. Ernährung, Landwirtschaft und die Umwelt wurden in den letzten Jahren zu einem wichigen Thema, wie man auch an der Anzahl der Initiativen sieht, die dazu eingereicht wurden.

Die Initiative für Ernährungssouveränität will mit den Zielen in die richtige Richtung. Sie hat aber eine grosse Gefahr: Durch grössere Souveränität, also mehr im Inland produzierte Lebensmittel, wird die Belastung der Umwelt noch verstärkt.

Noch nie produzierten die Schweizer Bäuerinnen und Bauern derart intensiv wie heute. Der Selbstversorgungsgrad ist gerade bei tierischen Produkten auf 100 %! Doch aktuell produzierten wir im Inland nur gerade die Hälfte der Futtermittel für all die tausenden von Tieren in den Ställen.

Aktuell muss immer noch darum gekämpft werden, dass die einheimische Produktion nicht weiter intensiviert ist. Intensivieren heisst hier, mehr Tiere, mehr Ackerbau, mehr Umweltbelastung (vor allem durch Stickstoff). Und genau eine solche Intensivierung mit all ihren negativen Folgen bringt die Initiative für Ernährungssouveränität mit sich.

Denn wir kaufen gerne Schweizer Fleisch. Dass dies meist auch mit viel importiertem Futter gemästet wird, geht vergessen. Doch die Gewässer, Wälder und Luft spüren die enormen Stickstoffemissionen.

Ein weiteres Argument ist die Übertragung vieler Kompetenzen zurück zum Bund. Dieser hatte mit seiner Planwirtschaft Butterberge verursacht. Viele weitere Folgen dieser Zeit staatlicher Lenkung spüren wir bis heute.

Dazu ein kleiner Vergleich: Die britische Hauptstadt hat 8,79 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, ein paar hunderttausend mehr als die Schweiz. Logisch, kann sich eine Stadt nicht selbst mit Lebensmitteln versorgen. Aber auch in der Schweiz reicht die Fläche längst nicht, selbst wenn wir alles herausholen.

Ist es also sinnvoll, möglichst viel hier zu produzieren, obwohl darunter die Natur stark leidet? Viel der Belastung kommt von den deutlich zu hohen Tierbeständen.

Aus all diesen Überlegungen muss die Initiative abgelehnt werden. Natürlich heisst das nicht, dass wir keine nachhaltige Landwirtschaft wollen, ganz im Gegenteil. Aber die Nachhaltigkeit muss auch Importe, die inländischen Tierbestände und die Umweltbelastung durch unseren Konsum berücksichtigen.

Übrigens: Auch am 23. September kommt die Fairfood-Initiative zur Abstimmung. Diese hat einen Vorteil, setzt sie doch auch explizit auf nachhaltige Handelsbeziehungen und ermöglicht damit eine nachhaltige Produktion im In- und Ausland.

Foto von Phillip Kalantzis Cope auf Flickr