Die Diskussion rund im das Positionspapier der Naturschutzorganisationen Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden, Baselbieter Natur- und Vogelschutz sowie Pro Natura Baselland ging im Juni bereit einmal ziemlich run. Doch nun gab es einen Leserbrief im letzten Birsfelder Anzeiger, der nicht einfach argumentiert, sondern falsche Dinge behauptet.

Leserbrief von Christoph Meury, erschienen im Birsfelder Anzeiger vom 27. Juli 2018

Leserbrief von Christoph Meury, erschienen im Birsfelder Anzeiger vom 27. Juli 2018

Ich habe mir nun die Mühe gemacht, den Käse scheibchenweise zu zerlegen und jeweils jeden Absatz des Leserbriefs zu analysieren und mit Argumenten zu antworten.

Mir ist klar, dass Anliegen des Naturschutzes nicht für alle den gleichen Wert haben. Dagegen ist auch nichts auszusetzen, auch wenn ich da jeweils anderer Meinung bin. Natürlich darf trotzdem argumentiert werden. Einfach behaupten ohne auf Argumente einzugehen, bringt uns aber nicht weiter.

Die folgenden Zitate stammen direkt aus dem Leserbrief von Christoph Meury, erschienen im Birsfelder Anzeiger vom 27. Juli 2018.

Das Positionspapier der Naturschutzorganisationen zur Zentrumsplanung bewertet die gesamte heutige Grünfläche als ökologisch wertvoll und erhaltenswert, ohne die einzelnen Grünflächen zu differenzieren und adäquat zu qualifizieren.

Der Leserbrief beginnt direkt mit einer falschen Aussage. Das Positionspapier beleuchtet die aktuelle Situation nicht im Detail, beurteilt also auch nicht die gesamte Grünfläche als wertvoll. Aus dem bestehenden Grün gehen wir nur auf die Hecke ein, welche wohl auch gesetzlich geschützt ist.

Die einzelnen Flächen werden übrigens im Naturinventar differenziert, quantifiziert und qualifiziert.

Eine ökologisch völlig uninteressante, mehrere hundert Quadratmeter grosse Grünfläche wird kritiklos in die Gesamtbilanz aufgenommen. Als ökologisch interessant und erhaltenswert können Flächen nur gewertet werden, wenn dadurch für Kleintiere und seltene Pflanzen ein Lebensraum erhalten werden kann. Das ist im Zentrum nur bei sehr kleinen und begrenzten Grünräumen (Biotop und kleine Magerwiese, beide bis dato nicht vernetzt!) begründbar.

Nein. Zum widerholten Mal: Nein. Wir rechnen den Rasen nicht zur Grünfläche, der Gemeinderat hat dies getan. Übrigens argumentieren wir im Papier nie mit dieser Wiese, die tatsächlich keinen grossen Nutzen hat.

Unsere Kritik richtet sich hauptsächlich dagegen, dass der Gemeinderat seine eigenen Ziele zur Ökologie nicht ernst nimmt. Diese hat er im Grün- und Freiraumkonzept aber auch später im Stadtentwicklungskonzept (STEK) formuliert. Die Vernetzung muss deshalb nicht erhalten, sondern geschaffen werden!

Vollständig ignoriert wird die Möglichkeit, neue Grünräume zu schaffen. Sämtliche Neubauten bieten die Möglichkeit von Dachbegrünungen. Damit werden wertvolle Ersatzlebensräume für Faune und Flora geschaffen. Zudem können begrünte Dächer im Sommer den Wärmeüberschuss der aufgeheizten Strassen und Gebäudeflächen abbauen und so zu einer Abkühlung beitragen. Nicht zuletzt filtern sie Schadstoffpartikel und Staub aus der Luft heraus.

Dachbegrünungen sind vor allem ein Ersatz für verbaute Fläche. Klar, damit lassen sich schöne Dinge machen, aber im Projekt werden Dachbegrünungen eben nicht speziell hervorgehoben. Deshalb ist zum jetzigen Zeitpunkt eine vertiefte Auseinandersetzung wenig sinnvoll. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn die Dächer üppig begrünt sind!

Im Gespräch mit dem Gemeinderat haben wir die Dachbegrünungen auch explizit erwähnt. Dabei haben wir auch klargestellt, dass es wichtig ist, dass die Begrünungen mehr sind, als nur ein wenig Kies mit Moosen. Vielfältige, besonders für Insekten interessante Kleinstrukturen lassen sich dort schaffen.

Weiter würdigt das Gutachten das Verschwinden der oberirdischen Parkplätze in keiner Weise. Das geplante Parkhaus (mit rund 278 Parkplätzen) stellt aber aber für die Zukunft einen bedeutenden ökologischen Mehrwert dar.

Wo liegt denn bitteschön der Wert von mehr Parkplätzen als bisher? Die Aufhebung der oberirdischen Parkplätze ergibt aber städtebaulich und wirtschaftlich durchaus Sinn.

Wir gehen auch auf den Städtebau oder die Wohnungsgrössen nicht ein, kann aber auch nicht Aufgabe des Naturschutzes sein.

Fazit: Das Positionspapier der Birsfelder Naturschutzorganisationen ist mangelhaft und in vielen Punkten wenig plausibel.

Fazit: Die Kritik am Positionspapier setzt sich nicht wirklich mit seinem Inhalt auseinander und behauptet Dinge, die so weder drinstehen noch gemeint sind.

Foto von Reinhard Gessl auf Flickr