Am Mittwoch meldete sich ein Einwohner von Birsfelden auf unserer Facebook-Seite und beschwerte sich ĂŒber den Stau in der Zwinglistrasse. Offenbar war am Mittwochabend ziemlich viel los auf der Autobahn und darum auch viel Ausweichverkehr in Birsfelden zu sehen. Ich war zu dieser Zeit gerade im Dorf unterwegs und erlebte den allabendlichen Verkehr mit.

TatsĂ€chlich spielen sich solche Dinge regelmĂ€ssig in Birsfelden ab, die Gemeinde hat deshalb auch letztes Jahr nach Lösungen gesucht und zusammen mit dem Kanton Basel-Landschaft und dem Bundesamt fĂŒr Strassen ASTRA eine gefunden. Bald soll ein TropfenzĂ€hlersystem beim Erdnusskreisel im Hardwald installiert werden, so dass nur noch so viele Autos nach Birsfelden hineinkönnen, wie hinausfahren. Der Autobahnanschluss wird davon aber nicht direkt betroffen sein, weil das gesetzlich nicht möglich ist. Und genau hier liegt das Problem.

Der Autobahnanschluss ist eigentlich ein Vorteil fĂŒr Birsfelden, ermöglicht er doch der Industrie im Hafen, rasch und ohne grosse Wege durch Wohnquartiere hin- und wegzufahren. Leider bedeutet der Anschluss aber auch, dass allabendlich bei Stau die Leute durchs Dorf fahren.

Das zugrunde liegende Problem ist dabei aber weder die Strasseninfrastruktur, noch die fehlende Arbeit seitens der Gemeinde am Problem. Vielmehr ist es ein grundsĂ€tzliches: Die tĂ€glich zurĂŒckgelegten Kilometer steigen immer weiter, die meisten davon im motorisierten Individualverkehr. Viele interessante Daten und Grafiken dazu liefert der Mikrozensus MobilitĂ€t und Verkehr von 2010. Dort steht auch, dass wir 14.7 % der zurĂŒckgelegten Kilometer fĂŒr Freizeitzwecke auf uns nehmen und sogar 43.4 % der tĂ€glichen Wegzeit. TatsĂ€chlich blieben aber diese beiden seit 1994 fast unverĂ€ndert. Schaut man sich die Durchschnittsgeschwindigkeiten an, so wird klar, wo das Problem liegt. WĂ€hrend die durchschnittliche Geschwindigkeit zu Fuss 2010 bei 4.9 km/h (4.2 km/h im Jahr 1994) lag, so war es fĂŒrs Velo satte 13.4 km/h. Das entspricht einigermassen zĂŒgiger Fortbewegung in urbanen RĂ€umen. Das Auto kam wĂ€hrenddessen nur auf 38.6 km/h und verbesserte sich damit sogar leicht gegenĂŒber frĂŒheren Erhebungen. Deutlich schneller ist hier die Bahn mit 61.4 km/h.

Auf dem Arbeitsweg werden sagenhafte 90.8 % der Autos von nur einer Person genutzt – genau zu der Zeit also, wenn die Staus entstehen.

Wenn wir also jetzt Lösungen suchen, um lokale Verkehrsprobleme wie in Birsfelden zu lösen, so dĂŒrfen wir den Blick aufs Grosse Ganze nicht verlieren. Die Zunahme der MobilitĂ€t wirkt sich vor allem im Autoverkehr aus. Und wenn so gut wie alle alleine zur Arbeit fahren, geht das ĂŒber kurz oder lang nicht auf, besonders wenn man bedenkt, dass Autos ein Vielfaches an Platz brauchen, dass ein Velo braucht.

Nun denn, machen wir uns daran. Birsfelden hat hervorragende Bedingungen, um eine Velostadt zu werden. Es sind nur gute 3.7 km und 16 Minuten bis zum Bahnhof Basel SBB, gleich lang wie an den BarfĂŒsserplatz. Wir haben mit der 2012 erneuerten BirskopfbrĂŒcke eine sichere und schnelle Verbindung in die Stadt. Ausserdem gibt es hier nirgendwo grössere Steigungen und gefĂ€hrliche Strassen können meistens gut umfahren werden. Ausserdem bekommt Birsfelden fĂŒr einen Pilotversuch eine Velopumpe am Zentrumsplatz. Ausserdem ist Birsfelden seit 1999 als Energiestadt zertifiziert, was auch den Verkehr beinhaltet. Gerade beim Verkehr wĂ€re aber noch mehr möglich, denn die Autodichte ist gefĂŒhlt ziemlich hoch. Eine wirksame und langfristige StaubekĂ€mpfung mĂŒsste also hier ansetzen: Beim Ausbau fĂŒr den Langsamverkehr und gleichzeitig mit Modellen wie Carpooling.