In der Debatte rund um die Initiative Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache gibt es immer wieder ein paar erstaunliche Kommentare, Meinungen und Ideen, wieso es doch gar nicht so schlimm sei, wenn Frauen (sic!) Abtreibungen selber bezahlen müssten.

Bevor wir aber damit beginnen, noch eine kleine Bitte: Unterstützt die Kampagne gegen diesen Angriff auf die Fristenregelung! Vielen Dank.

Die Aussage der Initianten (ja, vor allem alte Männer), sie seien nicht gegen Abtreibungen per se, sondern wollen diese einfach nicht mitfinanzieren, ist lächerlich. Seid doch bitte so ehrlich und sagt wie es ist: Ihr wollt keine Abtreibungen. Denn sonst könnten wir ja auch anderes aus der Grundversicherung streichen: Krebstherapien bei über 60-Jährigen (lohnt sich nicht), Behandlungen psychischer Krankheiten (sowieso alles Simulanten), Geburten (nicht mein Problem).

NEIN zur Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache»

NEIN zur Volksinitiative
«Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache»

Also legen wir los: Die Kommentare in den Online-Portalen von Zeitungen sind wie immer unterste Schublade. Allerdings lohnt es sich, einige Perlen herauszusuchen und sich das einmal genauer zu überlegen – ein wenig so, wie Peter Schneider das machen würde.

Zunächst das ökonomische Argument: Oft wird gesagt, dann müsse die Frau (sic!) halt besser aufpassen, statt in eine Abtreibung das Geld in günstigere Verhütungsmittel zu investieren. Man bekommt eben kein Kind, wenn man es sich nicht leisten kann und es nicht ins Leben passt. Kurz: Der finanzielle Anreiz wird es schon regeln.

Dieses Argument ist aus vielen Gründen nicht brauchbar, vor allem, weil sich unser Leben eben oft nicht an die Ökonomie hält – und speziell ist das der Fall wenn es um solche grossen Dinge wie Schwangerschaft geht. Aber auch sonst: Die Verantwortung wird den Frauen zugeschoben, die offenbar selbst daran Schuld sind, mit einer Vagina statt einem Penis ausgerüstet zu sein. Und wieso sollten allein die Frauen die Verantwortung für etwas übernehmen, was immer zwei Menschen machen?

Das zweite oft gehörte ist die Eigenverantwortung. Aber auch dieses Selberschuld-Argument macht keinen Sinn. Denn es geht davon aus, dass Frauen alleine schwanger werden, naja, nicht erstaunlich wenn wir bedenken, dass die Initiative auch von fundamenalistisch-christlichen Organisationen lanciert wurde – apropos unbefleckte Empfängnis. Da aber in der Realität die Parthenogenese bei Menschen nicht möglich ist, wäre es durchaus sinnvoll, wenn auch die Männer sich an der Schwangerschaft beteiligen – auch wenn es nur finanziell und nicht einmal die Hälfte ist.

Übrigens: Die Geburt würde ja weiterhin von beiden bezahlt. Und da kommt bereits das nächste Problem: Wieso sollte ich die Geburten anderer Leute mit meinen Krankenkassenprämien mitfinanzieren? Als nächstes will jemand nicht die Folgen der ungesunden Ernährung anderer zahlen müssen und startet eine Initiative.

Diese völlige Ökonomisierung ist mir ein Graus. Ihr wird die Selbstbestimmung geopfert und alles wird auf seinen finanziellen Wert reduziert – auch das Leben. Und genau das wollen die Initianten ja sicher nicht…

Und drittens höre und lese ich oft, man wolle halt nicht etwas mitfinanzieren, dass so gegen die eigene Moral gehe. Genau! Dann zahle ich keine Steuern mehr, weil ich die Armee doof finde und die ja auch Leute umbringt. Und dann noch dieser Kommentar, den ich auf Facebook geschrieben habe:

Was habe ich als Mann denn überhaupt mit einer Schwangerschaft zu tun? Und überhaupt, auch sonst will ich nicht für medizinische Eingriffe zahlen, die ich gruusig finde: Organtransplantationen (so viel Blut!), künstliche Darmausgänge (iiihhh), offene Brüche, Bohren in Zähnen oder Knochen (dieser Ton macht mich wahnsinnig) und Behandlung von STDs (hätte halt besser in Kondome investiert – aus den Kommentaren auf 20 Minuten). Und wie schon an anderer Stelle gesagt: Solidarität ist für Weicheier.

Diese Initiative ist von der Argumentation sehr grotesk. Nicht nur, dass sie überhaupt nichts bringt und auch keine Kosten senkt. Sie schadet den Frauen ganz stark. Denn eine Abtreibung macht niemand einfach so, ist auch gar nicht möglich. Aber die Möglichkeit muss es geben, wenn wir weiterhin die Freiheit haben wollen, über unsere Körper selbst zu bestimmen. Deshalb NEIN am 9. Februar zur Initiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“.