Nach den neusten Enthüllungen von Edward Snowden zu den us-amerikanischen und britischen Internet-Überwachungsprogrammen gibt es ein neues Wort: Datensparsamkeit.

Was bedeutet das genau? Eigentlich etwas ganz einfaches: Jede und jeder sollte möglichst wenig Daten über sich preisgeben. Tönt einfach, auf Facebook, Blogs, etc. müsste man aber verzichten.

Gut, soweit so gut. Aber ist das wirklich möglich? Tatsächlich überwachen die erwähnten Überwachungsprogramme alles, unabhängig von Verdacht, verwendetem Protokoll und Verschlüsselung, letztere ist zu knacken. Also werden auch Mails, Surfgewohnheiten und Chats aufgezeichnet, analysiert.

Datensparsamkeit ist also ein sinnvoller und auf den ersten Blick machbarer Ansatz – praktisch aber nicht umzusetzen. Denn heute haben wir in vielen Fällen auch gar keine Kontrolle, was mit unseren Daten passiert. Die Kondikteure in den Zügen kommunizieren über Telefon, gewisse Daten werden von ihrem Kontrollgerät via Internet übertragen. Fahrplanabfragen entweder mit der SBB-App auf dem Smartphone oder von zu Hause aus könnten abgefangen werden.

Spitäler und Ärzte kommunizieren via Internet und übertragen (zwar verschlüsselt) Patientendaten elektronisch. Wir bewerben uns per E-Mail auf Stellen, besprechen Privates und Intimes im Chat. Das alles, so wissen wir, ist nicht mehr wirklich vertraulich.

Datensparsamkeit kann aber natürlich dort zum Zug kommen, wo es darum geht, Fotos aus den Partyferien dem Arbeitgeber vorzuenthalten, Finanzdaten vor dem Vermieter zu schützen und Beziehungsprobleme nicht gleich allen Bekannten auszuplaudern.

Ansonsten jedoch, müssen wir diverse Dienste, die ihrerseits wiederum überwacht werden, in Anspruch nehmen. Und das lässt sich nicht so leicht ändern. Wir können den Spitälern nicht vorschreiben, sie müssten unsere Röntgenbilder wieder und ausschliesslich analog bearbeiten. Wir können unsere Mails zwar verschlüsseln, aber dennoch nicht komplett absichern. Und wir konnten uns auch nicht gegen den biometrischen Pass wehren, als dieses Thema zu einer Urnenabstimmung kam.

Was sich aber ändern liesse, ist sind Überwachung, Kontrolle und Kompetenzen der Geheimdienste, die uns zwar schützen sollten, dabei aber die Privatsphäre abschaffen. Und an dieser demokratischen Kontrolle unserer Kontrolleure, unserer Überwacher muss einiges verbessert werden.

Foto von nicolasnova auf Flickr