Christoph Meury, seines Zeichens Leiter vom Theater Roxy in Birsfelden, bemängelt in einem Beitrag im Speakerscorner-Blog der Tageswoche: In Birsfelden fehlen die Visionen. Er wünscht sich ein Grossprojekt in Birsfelden, am liebsten von Zara Hadid, deren Stadt-Casino-Neubau ja von den Basel-Städtern an der Urne abgelehnt wurde. Ihm fehlen auch die politischen Visionen, er vermisst politische Standpunkte bei den beiden Kandidaten fürs Gemeindepräsidium.

Ich bin grundsätzlich mit ihm einverstanden, denn mit Themen haben wir uns in Birsfelden schon lange nicht mehr auseinander gesetzt. Dafür gibt es aber Gründe: Die letzten zwölf Monate waren ein nicht-enden-wollender Strom von Beschwerden, Wahlen, Gerichtsverhandlungen, Anschuldigungen und beleidigtem Getue. Ab dem 3. Februar können wir hoffentlich wieder über Themen streiten. Genau das habe ich ja auch im Interview mit Telebasel gesagt: Wir werden politische Kämpfe haben und wir müssen die auch haben! Und ehrlich gesagt, freue ich mich darauf.

Diese Debatten konnten wir zumindest während der letzten zwölf Monate nicht führen, denn viel zu sehr musste um anderes gekämpft werden, leider wurde auch nicht belohnt, dass Regula Meschberger als einzige Kandidatin fürs Gemeindepräsidium einen thematischen Wahlkampf führte.

Doch was für Visionen braucht es nun? Meiner Meinung gibt es zwei Schwerpunkte, denen wir uns widmen sollten. Erstens gibt es da das Gebiet im Zentrum, rund um den Schulplatz Kirchmatt und den Zentrumsplatz mit Parkplatz, Coop, Banken, Post, Tramstation, etc. Dort müssen wir wieder ein neues Dorfzentrum bauen, das eben nicht nur zum Parkieren dient. Dort bräuchte es kleine Geschäfte, Cafés, einen Spielplatz, etc.

Zweitens wäre der Hafen zu nennen. Obwohl dort der Kanton im Moment (noch?) das Sagen hat, wäre es eine gewaltige Möglichkeit. Schaut man sich als Beispiel die Industriegebiete in Münchenstein (Fahrbar, Walzwerk, uvm.) oder das Gundeldinger Feld an, so sieht man: In solchen Arealen können grossartige Freizeitangebote platziert, Kunstschaffende untergebracht und Handwerker eingerichtet werden.

Als Drittes (ja, ich habe nur von zwei Punkten gesprochen) wäre noch das Sternenfeld zu nennen, wo verdichtetes Bauen schon vor Jahren gemacht wurde. Vielleicht wäre es möglich, die schon vorhandenen Strukturen, wie das Sternenfeld-Center, aufzuwerten oder Quartierstrassen zu lebendigen Begegnungszonen umzuwandeln. Doch hier bräuchte es ziemlich viel, denn für viele Dinge müssen die privaten Liegenschaftsbesitzer, viele davon Genossenschaften, erst überzeugt werden und mitmachen.

Vielleicht lohnt es sich mehr, viele kleinere Projekte und Dinge anzureissen, als ein grosses Projekt, welches auch immer mit grösserem Risiko verbunden ist. Doch jetzt braucht es eben zuerst eine Debatte darüber, was wir sollen und was wir können.

Foto von flöschen auf Flickr