Als Adrian Ballmer seinen Rücktritt ankündigte, passierten gleichzeitig drei Dinge.

Erstens wurde natürlich der Rücktritt analysiert, der Betroffene gefragt, Rückschlüsse gezogen. Das passierte fast ausschliesslich in den Medien. Und es war natürlich interessant. Denn Ballmer hatte nicht immer eine glückliche Rolle gespielt, besonders auch beim Sparpaket, das am 17. Juni 2012 abgelehnt wurde.

Zweitens wurde der voraussichtliche Kandidat der SP Baselland, Eric Nussbaumer, interviewt, man könnte auch sagen aufgebaut. Er ist nicht allzu links, damit sicher für viele Mittewählerinnen und -wähler ein guter Kandidat.

Drittens kam die FDP, und hier wird es richtig spannend, ziemlich in die Bredouille. Denn die erste Reaktion der Parteipräsidentin Christine Pezzetta zeigte, wie es ums Selbstvertrauen in der FDP Baselland steht. Nicht gut, eher schlecht.

Diese erste Reaktion war, abgesehen vom Bedauern des Rücktritts, nicht eine Verkündung des Anspruchs auf den Sitz, den zweiten der FDP. Es war sofort eine defensive Sache. Denn bereits in diesem ersten Interview sagte Pezzetta, das oberste Ziel sei, dass der Sitz in bürgerlicher Hand bleibe. Und es sei möglich, dass die FDP zu Gunsten der SVP auf eine eigene Kandidatur verzichte.

Schade eigentlich, denn nun gibt mit ziemlicher Sicherheit, so zumindest liest man, einen Kandidaten der SVP und einen der SP. Die FDP lässt sich zum wiederholten Mal hier unnötig bevormunden und überrumpeln.

Die SVP selbst hat auch nicht gerade eine einfache Zeit hinter sich. Zwar gewann sie im März 2011 etwas hinzu, doch das war die letzte gute Nachricht. Mit ihrem neuen Parteipräsidenten hat sie nicht unbedingt Glück. Und der Kampf gegen die Wiedervereinigung der beiden Basel läuft eher auf Sparflamme, sieht personell und von der Motivation her mässig aus.

Natürlich, rechnerisch hat die FDP wohl weniger Anspruch auf den Sitz als die SVP. Doch schlechter hätte sich die FDP wohl kaum verhalten können. Sie lässt sich gar nicht auf eine Debatte ein, sondern verzichtet von Anfang an.

Wenn nun am 6. Januar 2013 die SP Baselland ihren Kandidaten, voraussichtlich Eric Nussbaumer, nominiert, dürfte er der Favorit sein. Denn ein Kandidat der SVP wird wohl mehr Mühe haben, in der Mitte Stimmen zu holen, als es Nussbaumer hat. Das ist Kaffeesatzleserei, aber nicht ganz unwichtig, wenn man bedenkt, wie sich die bürgerlichen wahrscheinlich aufstellen werden.

Wieso auch immer, die FDP und auch die CVP stellen sich nicht einmal die inhaltliche Frage. Sie sagen, mit allen, die bei der SVP in Frage kämen, könne man gut arbeiten. Dabei geht es nicht um Inhalte, nur um die Form. Beide, Pezzetta wie auch Sabrina Mohn von der CVP, haben unglaublich Angst vor einer Niederlage einer eigenen Kandidatur, das meint auch Michael Rockenbach in der TagesWoche. Dies vermutlich auch, weil man die eigenen potenziellen Kandidierenden nicht verbraten will, wenn die SVP sowieso antritt.

Hauptsache nicht Rot-Grün, das scheint das oberste Ziel zu sein. Die Mitteparteien im Baselbiet müssen dringend ihr Verhältnis zur und ihre Abhängigkeit von der SVP überdenken.

Damit dürfen wir wohl am 3. März 2013 zwischen rechts und gemässigt links auswählen. Dass die FDP bereits zwei Monate vorher, nämlich am 3. Januar, die Segel streicht und einen dann noch unbekannten SVP-Kandidaten unterstützt, ist — auch für mich als Linker — sehr schade.

Foto von yago1.com auf Flickr