Der Bundesrat hat am vergangenen Mittwoch bekannt gegeben, dass er einen zweiten Tunnel durch den Gotthard will. Damit mögen vielleicht die Transportunternehmen zufrieden sein, die Urner sind es sicher nicht. Auch unzufrieden ist die Alpeninitiative, der Bundesrat handle irrational, die zweite Röhre sei teurer als andere Lösungen.

Was vergessen geht, ist die NEAT. Mit dem Gotthard-Basistunnel, mit welchem man rasch durch die Alpen fahren kann. Doch statt von Anfang an auf einen Autoverlad zu setzen (wie er schon Ende der 50er-Jahre vorgeschlagen wurde), baute man eine Autobahn. Und jetzt noch eine zweite Röhre. Dabei könnte man von Erstfeld bis Bellinzona einen schnellen Autoverlad anbieten.

In der Bundesverfassung Art. 84 steht ĂŒbrigens seit der Annahme der Alpeninitiative folgendes:

  1. Der Bund schĂŒtzt das Alpengebiet vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs. Er begrenzt die Belastungen durch den Transitverkehr auf ein Mass, das fĂŒr Menschen, Tiere und Pflanzen sowie ihre LebensrĂ€ume nicht schĂ€dlich ist.
  2. Der alpenquerende GĂŒtertransitverkehr von Grenze zu Grenze erfolgt auf der Schiene. Der Bundesrat trifft die notwendigen Massnahmen. Ausnahmen sind nur zulĂ€ssig, wenn sie unumgĂ€nglich sind. Sie mĂŒssen durch ein Gesetz nĂ€her bestimmt werden.
  3. Die Transitstrassen-KapazitÀt im Alpengebiet darf nicht erhöht werden. Von dieser BeschrÀnkung ausgenommen sind Umfahrungsstrassen, die Ortschaften vom Durchgangsverkehr entlasten.

Soweit ich das interpretiere, wird aktuell gegen die ersten zwei AbsĂ€tze verstossen, der dritte ist mit der dritten Röhre in Gefahr, auch wenn der Bundesrat meint, die Röhre wĂŒrde zu keinem verstĂ€rkten Verkehrsaufkommen fĂŒhren. Die zweite Röhre wird zu mehr Verkehr fĂŒhren, der eigentlich nicht sein dĂŒrfte, schliesslich haben wir darĂŒber abgestimmt.

Jetzt, wo wir die neuen NEAT-Tunnels am Lötschberg und bald auch am Gotthard haben, wĂ€re es dringend, sich endlich der Verlagerung mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu widmen. Bisher wurde das offenbar nicht ernst genommen. Den Alpen zu liebe, die sicher nicht noch mehr Verkehr brauchen, ist es höchste Zeit. Aber auch den weit vom Erreichen entfernten Schweizer Umwelt- und Klimazielen wĂŒrde mit mehr Schiene statt Strasse sicher sehr geholfen.

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