Wie die letzten beiden Jahre hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB auch jetzt wieder den Verteilungsbericht publiziert. Es gibt ĂŒbrigens den vollstĂ€ndigen Verteilungsbericht [PDF, 392 KB] und alle Grafiken online zu finden. Hier zunĂ€chst einmal einen kurzen Blick auf den Bericht.

Löhne 2000 und 2010 im Vergleich

Löhne 2000 und 2010 im Vergleich

ZunĂ€chst zu den Löhnen: Die Löhne haben sich in einer ganz speziellen Weise entwickelt: Erstens hat sich die Lohnschere geöffnet, zweitens entsprechen weder die hohen noch die mittleren und niedrigen Löhne der ProduktivitĂ€t und drittens steigt die Zahl der Topverdiener (Löhne ĂŒber CHF 500’000.- oder ĂŒber CHF 1’000’000.-) stark an. Von der zunehmenden ProduktivitĂ€t profitieren also nicht alle, sondern nur die mit den grösste Löhnen. Die 1:12-Initiative wĂŒrde da sicher mithelfen, die Lohnschere zu schliessen.

Wenn man sich also die Löhne anschaut, dann wird die Umverteilung von unten nach oben sichtbar. Es stimmt nicht nur der Satz, „Wer hat, dem wird gegeben.“, sondern auch „Wer nicht hat, dem wird genommen.“. Dass natĂŒrlich in fast allen Kantonsparlamenten und der Vereinigten Bundesversammlung die BĂŒrgerlichen die Mehrheit stellen, nĂŒtzt dieser Umverteilung sicher ganz stark. Denn wer die ganze Zeit Steuersenkungen fĂŒr Unternehmen und Reiche propagiert, und das oft mit dem Trickle-down-Effekt begrĂŒndet, hilft dieser Umverteilung natĂŒrlich gewaltig.

Steuersenkungen von 2000 bis 2012 fĂŒr Ledige und Verheiratete mit 2 Kindern

Steuersenkungen von 2000 bis 2012 fĂŒr Ledige und Verheiratete mit 2 Kindern

Die Entwicklung des verfĂŒgbaren Einkommens sieht da Ă€hnlich aus: WĂ€hrend tiefe und mittlere Einkommen Einbussen hinnehmen mĂŒssen, steigen die Löhne besonders beim reichsten Prozent gewaltig. Auch ein Blick auf die KrankenkassenprĂ€mien zeigt, dass die PrĂ€mienverbilligungen lĂ€ngst nicht mit der rapiden Entwicklung der PrĂ€mien selber mithalten können – was vor allem wieder mittlere und tiefe Einkommen belastet.

Und gerade auch bei den Steuersenkungen profitieren vor allem die hohen Einkommen, fĂŒr den Mittelstand und die tiefen Einkommen gibt es kaum etwas. WĂ€hrend die meisten kaum Steuersenkungen erleben, bekommen wir erst noch Sparpakete zum Ausbaden. Auch der elende Steuerwettbewerb mĂŒsste dringend gestoppt werden, denn dieser fĂŒhrt erst zu dieser ganzen Sparmisere. Die Erbschaftssteuern haben wir ja im Baselbiet auch faktisch abgeschafft, wobei auch das wiederum fast ausschliesslich denen zugute kommt, die schon Einkommenssteuersenkungen bekommen haben.

Anteile am gesamten Vermögen in der Schweiz 2008

Anteile am gesamten Vermögen in der Schweiz 2008

Beim Vermögen schliesslich zeigt sich ein Ă€hnlich ungleich und ungerechtes verteiltes Bild, wie vorhin bei den Löhnen und beim verfĂŒgbaren Einkommen. Logisch gibt es reichere und Ă€rmere Leute, aber das hier ist einfach nur noch schrĂ€g. Schaut man sich die Vermögensverteilung an, hat das reichste Prozent 39 % also viel mehr als die Ă€rmsten 90 %. Die restlichen 9 % wiederum besitzen 35 % allen Vermögens. Eine krasse Ungleichverteilung, die man vermutlich nicht einmal in EntwicklungslĂ€ndern finden wĂŒrde. Also knapp 80’000 Leute besitzen ĂŒber einen Drittel allen Vermögens. Weitere 708’000 Personen einen fast gleich grossen Anteil am Vermögen, wĂ€hrend sich die restlichen 7’083’000 Menschen sich gerade einmal 26 % teilen mĂŒssen.

Foto von michaelthurm auf Flickr