Es war ja wieder ein spannendes Pokerspiel. Der Bisherige hat sich bis zum letzten Moment Zeit gelassen, ein Abgewählter, der seinen de facto Wohnsitz schon vor der Wahl verlegen wollte, hat mit einer Wahlbeschwerde für etwas Chaos gesorgt und der Regierungsrat braucht vierzig Tage, um zu erkennen, dass er selbst befangen ist. Nun geht die Geschichte ans Kantonsgericht.

Was in diesen Tagen in der Birsfelder Politik läuft, ist doch recht bizarr. Eigentlich sollte man zu seinen Ambitionen stehen können. Eigentlich sollte man fair verlieren können. Eigentlich sollten Beschwerden rasch behandelt werden. Aber eben: Eigentlich. Das alles führte zu vielen teils auch heftigeren Reaktionen. Und man ist versucht zu sagen, dass es in der Bananenrepublik BL einen Saftladen Birsfelden gibt, weil es überhaupt zu einer Beschwerde kommen musste, die das ganze Schlamassel ausgelöst hatte.

Wenn die Strategie des bisherigen Gemeindepräsidenten Claudio Botti dazu führen sollte, dass er wiedergewählt wird, so hätte ich bessere Ideen gehabt. Mit dem unnötig langen Zuwarten wurden die Wählerinnen und Wähler verunsichert, vor allem aber dürfte es intern Unsicherheiten geben. Auch die FDP hat extrem lange gebraucht, bis sie wusste, dass ihr Kandidat Christoph Hiltmann heisst.

Die SP Birsfelden übrigens musste ja fast so lange Warten. Eigentlich war geplant, an der Generalversammlung letztes Wochenende zu nominieren, was aber nicht klappte, weil die Beschwerde noch hängig war. Als der Regierungsrat dann endlich entschieden hatte, war schon Mittwoch, es reichte also nicht.

Nun musste die SP auf den letzten Moment warten. Und nun berichtet ja auch noch die bz Basel, der Wahltermin müsse verschoben werden. Es kann also noch gut und gerne ein paar Monate dauern, bis wir wieder einen kompletten Gemeinderat haben und der dann auch einen gewählten Präsidenten.

Noch etwas juristisches: Bisher wurden sechs der sieben Gewählten erwahrt, der Gemeinderat kann so seine Arbeit am 1. Juli 2012 aufnehmen. Falls bis dahin kein Präsident gewählt wurde, und danach schaut es aus, so würde der Gemeinderat einen Vizepräsidenten bestimmen, der die Geschäfte dann übernimmt, bis alles geklärt ist.

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