Birsfelden ist eine Stadt. Hier wohnen 10’427 Einwohnerinnen und Einwohner, es gibt ein Stadtbüro, ein Tram, einen grossen Hafen, ein Kraftwerk, einen siebenköpfigen Gemeinderat. Und es gibt ein Openair. Das Openair Birsfelden.

In der neusten Ausgabe des Birsfelder Anzeigers findet man die Schlagzeile: Gemeinderat unterstützt das Open Air Birsfelden. Damit hat es sich dann auch schon. Die Unterstützung beschränkt sich offensichtlich auf das Erteilen einer Bewilligung – mehr nicht.

Denn in der Mitteilung steht, es gäbe restriktive Bedingungen und sowieso: um 22 Uhr (punkt!) ist Schluss.

Die Auftritte von Live­-Bands auf der Fridolinsmatte sind allerdings aufgrund der geltenden gesetzli­chen Bestimmungen nur bis spätestens 22 Uhr möglich.
— Gemeinderat Birsfelden im Birsfelder Anzeiger (15. 2. 2013 – Nr. 7, Seite 9)

Bereits vor einiger Zeit habe ich es kritisiert und schrieb damals es brauche mehr Openair in Birsfelden. Tatsächlich ist hier wieder das Dorfdenken anzutreffen. Denn in einer Stadt würde die Party um 22 Uhr erst beginnen. Aber während im Nachbarkanton Feste gefeiert werden dürfen, muss man in Birsfelden frühzeitig ins Bett.

Ich meine, diese Restriktionen haben wohl vor allem damit zu tun, die Leute, welche Einsprachen erheben zu beruhigen. Aber wenn Nachtruhe und Kultur miteinander Platz haben müssen, dann muss die Unterstützung auch eine echte sein.

Wenn es in Birsfelden um den öffentlichen Raum, dann wird rasch mit Verboten gearbeitet. Dabei wäre wohl für die meisten Fälle eine Regelung möglich, gesucht wird sie aber nicht.

Vor fast einem Jahr habe ich über die Verbotskultur in Birsfelden geschrieben und mich darüber aufgeregt, dass auf dem Birsköpfli bereits ebenfalls um 22 Uhr Schluss mit Lustig ist. Hier hat sich nichts getan, dabei würde der ach so schlimme Lärm ja nur während gut dreier Monate im Sommer für einige wenige ein Problem sein.

Birsfelden ist eine Stadt. Es hat die Bevölkerung, die Räume, die Geschichte. Früher stand auf dem Sternenfeld ein Flughafen, heute ist immer noch ein internationaler Hafen hier eingerichtet. Wir sind in einer Viertelstunde im Stadtzentrum. Und auch das Portrait auf der Gemeinde-Webseite bestätigt das.

Mit grossem Selbstbewusstein und unter Beibehaltung des eigenen Charakters hat sich das Dorf von einst zur modernen Vorstadtgemeinde weiterentwickelt.
Portrait, Birsfelden Online

Doch auch wenn immer mal wieder betont wird, Birsfelden sei eine Stadt, allzu städtisch darf es dann doch nicht sein. Grosse Ideen werden frühzeitig abgeblockt. Schade. Aber vielleicht können die Bands im 2014 bis Mitternacht spielen…

Foto von 803 auf Flickr